Ende von UKA, viel zu tun und Stressmanagement

UKA ist fast vorbei - UKA war der sogenannte Kulturmonat hier in Ås. Sonntag ist der letzte Tag und damit sind die ganzen Aktivitäten, eskalierenden Feiereien etc. vorbei. Es is schade, dass ich mich ein bisschen wie ein Spießer fühle, wenn ich die Leute verurteile, die daran regelmäßig teilnehmen. Die wollen ja sicher auch nur Spaß haben. Auf der anderen Seite - also so wie ich das mitbekomme - ist es schon logisch, dass mein Bild nicht so positiv ist. Ich bekomme nur grölende Betrunkene um 10 Uhr morgens, Leute die ihren Müll achtlos in die Gegend werfen (undzwar oft und insgesamt viel; ich erinnere hier mal daran, dass wir hauptsächlich Studienrichtungen haben, die sich mit Umweltschutz beschäftigen) und die mehr oder minder Ausbeutung von den freiwilligen mitbekomme. Das bringt mich irgendwie in eine Situation, wo ich denke, dass ich eine Spaßbremse bin. Trotzdem bin ich mit der Sache so einfach nicht einverstanden. Naja, UKA ist nur alle zwei Jahre und Sonntag ist der letzte Tag. Dann muss ich Sonntag nochmal ein paar Fotos davon bearbeiten und gut ist.

Apropors Fotos: Scheinbar habe ich mich entweder durch die Bewerbungsfotos auf dem Karrieretag oder durch meine Tätigkeit als Bearbeiter von Bildern genug profiliert, um ein Jobangebot zu bekommen. Bisher wurde ich nur gefragt, ob ich Lust hätte als Fotograf für die NMBU zu arbeiten und dann jeden Dienstag (warum so oft?) Fotos von Angestellten im Fotostudio zu machen. Mit dem ganzen Equipment muss ich dann selbst zurecht kommen, aber das kann ich. Das wäre vermutlich ein Job, der nicht so viel Arbeit bedeuten würde, nur einmal die Woche ist und damit ideal als Studentenjob für mich sein könnte. Außerdem bezweifele ich, dass es groß Konkurrenz geben wird, da ich scheinbar einer von dreien bin, der mit solchen Equipment hier umgehen kann und das Angebot von einem von denen bekommen habe, da er keine Zeit dafür hat. Ich habe nicht erwartet, dass ich mal so eine gute Chance auf einen Job durch mein Hobby quasi geschenkt bekomme! Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt. Wäre auf jeden Fall toll, wenn es zu Stande käme.

Unitechnisch habe ich zwei Abgaben im November, wo ich aber gut am Ball bin. Dazu kommen noch ein Paar wöchentliche Aufgabenzettel über Umweltchemie und dann fängt Anfang Dezember schon die Klausurenphase an. Das schlechte ist: Es fühlt sich an, als ob ich viel zu wenig Zeit hätte. Das Gute ist: Das habe ich schon oft gesagt und mich immer kräftig verschätzt. Ich kann nicht besonders gut mit der Art von Stress umgehen. Ich weiß nicht, ob man das im Berufsleben in allen Jobs so hat, aber in der Uni ist die Arbeit nie vorbei. Das bedeutet, dass man nicht nur hingeht, was tut und wieder zurück kommt, sondern das meiste der Arbeit erst los geht, wenn man wieder zu Hause ist. Jetzt habe ich zum Beispiel bis Donnerstag Zeit, meinen Umweltchemie Aufgabenzettel zu lösen, treffe mich aber schon am Mittwoch mit meiner Gruppe aus Bodenkunde, um Fortschritte in unserem Bericht zu besprechen und habe gleichzeitig noch eine eigene Aufgabe, bei der ich ein Poster über die Gefahren von Mikroplastik erstellen muss. Man kann sich natürlich eine tägliche Zeitgrenze setzen, nach der man nicht mehr daran denkt, um nicht allzu gestresst zu sein. Da kann ich nur sagen: Viel Glück. Wenn das ganze alltägliche Leben davon bestimmt wird, denkt man immer, dass man aber noch mehr tun sollte und ist bei jeder Pause kritisch, ob man nicht arbeiten sollte. Dass die Arbeit sich dabei oft von früh morgens bis spät abends oder nachts erstreckt, macht das einlegen von Pausen leider nicht einfacher, wie man denken könnte. Dann ist man schon so in dem konstanten Arbeitsfluß drin, dass man eigentlich ein paar Tage Pause gebrauchen könnte. Zum Beispiel am Wochenende. Da könnte man aber auch Hausarbeit und liegen gebliebene Uni-Arbeit aufholen. Oder nicht nur das Pensum erfüllen, sondern schonmal etwas für die Klausuren lernen. Und dann ist wieder Montag. Ohje. Für das Cliché der faulen Studenten verweise ich auf diejenigen , die bei fast jeder Party von UKA dabei waren. Wie die das alles managen ist mir ein absolutes Rätsel. Falls sie das managen. Ok, ich komme vom Thema ab.

Das klingt nach dem letzten Absatz ein bisschen komisch, aber es ging ja darum, dass man eigentlich schon genug Zeit hat, aber es schwer ist, abzuschalten oder den Stress gut zu managen. Kommendes Wochenende besuchen Johanna und ich Christopher (Kumpel aus Göttingen) in Bergen. Dort macht er gerade ein Erasmussemester (Studentenaustausch). Zudem hat Johanna Bergen noch nie gesehen und für mich ist es die einmalige Chance ihn hier in Norwegen zu besuchen. Nach Weihnachten ist er weg und bis dahin wird es nur stressiger. Also jetzt oder nie. Ástros (Freundin aus Göttingen) kommt sogar auch per Flugzeug vorbei, sodass wir die alte Kerngruppe aus Göttingen hier wiedervereinen können. Das wird sicher super gut!

Johanna und ich sind immer noch fleißig dabei Sport zu machen. Zum Glück ist das Trainingcenter so nah dran, dass man weder von der Anreise demotiviert wird, noch zu viel Zeit dabei verliert. Ich muss sagen, dass ich mich schon körperlich außer Form fühle. Also ich habe ja schon gute Ausdauer etc., aber ich war auf jeden Fall mal trainierter und das gefällt mir gar nicht gut. Mein Ziel ist es eigentlich meinen Körper so fit zu halten, dass ich gesund älter werde. Durch Training kann man ja einigen Sachen vorbeugen und das ist auch mein Ziel. Außerdem macht es auch Spaß und ist eine willkommene Abwechslung zum Uni-Alltag.

Wir haben hier in Ås einen Laden, der abgelaufenes Krams von anderen Läden verkauft. Der Gedanke dabei ist, Lebensmittel, die noch gut sind, für weniger Geld anzubieten und insgesamt weniger Essen wegwerfen zu müssen. Gestern habe ich dort eine Art Großeinkauf getätigt indem ich 10kg Haferflocken gekauft habe. Die Verkäuferin fand es toll, dass ich immer nur gesunde Sachen dort kaufe, was ich ganz süß fand. Aber es stimmt: Durch wahnsinnige Alokoholsteuern, Zuckersteuer und was sich die Norweger nicht noch alles ausgedacht haben, ernähre ich mich tatsächlich gesünder. Ich würde zum Beispiel schätzen, dass mein Alkoholkonsum höchstens 1/10 von dem ist, wie es in Deutschland der Fall war. Es ist natürlich nervig, dass dadurch auch einem entspannten Wochenendbier oder so eine Hürde in den Weg gestellt wird, aber insgesamt lebe ich gesünder. Ganz davon ab, dass man durch vegane Ernährung eh nur die Wahl von Gemüse mit anderem Gemüse hat. Aber das soll keine Beschwerde sein; es ist erstaunlich was für leckere Sachen man damit zaubern kann!

So, jetzt wird es aber Zeit Frühstück für Johanna zu machen, die bis halb vier nachts für UKA arbeiten musste. Bis denne!

 

Wir lernen Norwegisch: Alltag - en hverdag; alltäglich - hverdagslig

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