Adieu, Zukunftsangst

Ratet mal, wer als Masterstudent an der NMBU in Ås angenommen wurde?! Wahnsinn, oder? Nach drei Jahren Norwegischkurs, einem fast vierstelligen Betrag an Sprachzertifikatstests und vielen stressigen Tagen, halbschlaflosen Nächten, Hoffnungsschimmern (das kann doch gar nicht schief gehen) und Verzweifelung (was ist, wenn ich mein Studium jetzt umsonst gemacht habe?) wurde ich nun letztendlich angenommen. Wie ihr oben sehen könnt, wurde ich für Miljø og naturressurser (Umwelt- und Naturressourcen) angenommen. Das ist genau das Studium, welches in Göttingen schon angefangen habe, was mich besonders glücklich macht, da es wirklich interessant und vorallem wichtig für die Zukunft der Menschen ist. Ich bin wirklich nicht so emotional, wenn es um Tränen geht, aber als ich die Antwort von der Universität bekommen habe, hatte ich schon ein bisschen Pipi in den Augen. Ob es der ganze Stress war, der sich ausgezahlt hat, oder eher die Gewissheit, dass ich meine Ausbildung nicht in die Tonne treten musste, um nach Norwegen zu kommen, ist mir selbst nicht ganz klar. Jedenfalls ist es jetzt überstanden. Puh.

Desweiteren habe ich nun endlich ein Bankkonto. Um das zu kriegen braucht man die D-Nummer (Steuernummer für Ausländer), einen Personalausweis und ggfs. einen Arbeitsvertrag. Obwohl ich das alles hatte wurden meine ersten drei Versuche abgewiesen, weil die Banken eigentlich einen Reisepass sehen wollen, keinen Personalausweis. Nachdem ich zusammen mit Johannas Mutter und den ganzen Dokumenten in die nächste Stadt (Kristiansund) gefahren bin (Bus-Boot-Boot-Bus) konnte ich ein Konto eröffnen, nachdem wir beide auf die Bank eingeredet haben. Um onlinebanking zu bekommen braucht man eine norwegische Handynummer. Banking am PC ist Norwegern oder Einwanderern Vorbehalten. Ist man ein Einwanderer, braucht man eine P-Nummer (Steuernummer für Norweger), welche man nur bekommt, wenn man einen unbefristeten Arbeitsvertrag oder andere Dokumente hat, die bestätigen, dass man länger bleiben wird. War das etwas verwirrend? Vermutlich. Ich habe selbst die Übersicht, aber das kam nicht ohne fremde Hilfe und recherche im Internet, sowie einem Haufen Bürokratie. Als ich damals in Kanada war, war es einfacher alles das zu machen, was man eben machen muss. Oder mit den Worten eines hilfreichen Bloggs über Einwandern nach Norwegen (trolljenta.no) "Ohne P-Nummer ist man kein Teil der norwegischen Gesellschaft". Zum Glück kann ich jetzt einen Personalausweis an der deutschen Botschaft in Oslo holen (ich nehme an, dass das lange dauert), damit ich eine P-Nummer kriegen kann und damit freie Bahn habe. Bisher klappt ja alles. Eins nach dem anderen.

Das Photo oben ist von der Insel mit der Inselhütte. In letzter Zeit bin ich etwas mehr Fahrrad gefahren (120km in den letzten drei Tagen), um mit Johanna und Familie zusammen sein zu können. Rudern bekomme ich jetzt gut hin. Baden war ich auch ab und zu. Das Meer hat einladende 11°C, sieht aber glasklar und an manchen Orten regelrecht tropisch aus. Die kleinen Gesteinsinseln, die aus dem Wasser ragen kann man gut als natürliches Sprungbrett nutzen. Ansonsten war ich ab und zu joggen und habe versucht Plastikmüll (dabei) zu sammeln. Morgen laufe ich erst einen Halbmarathon und gehe dann bis nachts arbeiten. Das wird sicherlich hart, aber danach fühle ich mich sicher gut. Ich will versuchen, die Teilnehmer, die eh keine gute Zeit schaffen werden (so wie ich), ein bisschen Plastikmüll am Straßenrand aufzuheben. Hier am Meer gibt es durch die Strömungen einen gefühlt unendlichen Nachschub an Plastikmüll. Allerdings gibt es auch deutliche Zeichen dafür, dass viele Leute ihren Müll einfach aus dem Auto werfen. Falls das noch nicht bekannt war: Die Menschheit hat die Kontrolle über den Plastikmüll verloren, er ist überall zu finden, sogar Mikropartikel im Trinkwasser. Um dem ganzen Wahsinn entgegenzuwirken, will ich versuchen ein bisschen Aufmerksamkeit auf das Thema zu richten. Ich denke, dass jedes bisschen zählt. Außerdem hat zwar jeder einzekne von uns zu der Situation beigetragen, aber es wissen sicher nicht alle über die Ausmaße oder den Handlungsbedarf Bescheid. Ein Video über Plastikmüll könnt ihr euch hier angucken (es gibt deutsche Untertitel): https://goo.gl/QYTzD7

Ansonsten läuft alles wie gehabt, es gibt viele Touristen auf Veiholmen, die allermeisten Norweger. Ich habe bisher einmal Österreicher gesehen, aber die waren die einzigen, welche Ausländer waren. Also außer mir. Ich freue mich schon in Zukunft Besuch von einigen von euch in Norwegen zu bekommen. Zwar bin ich kein Eingeborener, aber ich habe das Gefühl, als könnte ich euch schon jede Menge spannende Dinge zeigen. All die kleinen Details, die man bewundert und mag, aber entweder nicht in Worte fassen kann, oder vergessen hat, bis man sich mit dem Laptop auf seinen Arbeitsplatz geschlichen hat, um einen Blogeintrag zu schreiben. Bis später!

Wir lernen Norwegisch: en søknad - eine Bewerbung

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