Ende von UKA, viel zu tun und Stressmanagement

UKA ist fast vorbei - UKA war der sogenannte Kulturmonat hier in Ås. Sonntag ist der letzte Tag und damit sind die ganzen Aktivitäten, eskalierenden Feiereien etc. vorbei. Es is schade, dass ich mich ein bisschen wie ein Spießer fühle, wenn ich die Leute verurteile, die daran regelmäßig teilnehmen. Die wollen ja sicher auch nur Spaß haben. Auf der anderen Seite - also so wie ich das mitbekomme - ist es schon logisch, dass mein Bild nicht so positiv ist. Ich bekomme nur grölende Betrunkene um 10 Uhr morgens, Leute die ihren Müll achtlos in die Gegend werfen (undzwar oft und insgesamt viel; ich erinnere hier mal daran, dass wir hauptsächlich Studienrichtungen haben, die sich mit Umweltschutz beschäftigen) und die mehr oder minder Ausbeutung von den freiwilligen mitbekomme. Das bringt mich irgendwie in eine Situation, wo ich denke, dass ich eine Spaßbremse bin. Trotzdem bin ich mit der Sache so einfach nicht einverstanden. Naja, UKA ist nur alle zwei Jahre und Sonntag ist der letzte Tag. Dann muss ich Sonntag nochmal ein paar Fotos davon bearbeiten und gut ist.

Apropors Fotos: Scheinbar habe ich mich entweder durch die Bewerbungsfotos auf dem Karrieretag oder durch meine Tätigkeit als Bearbeiter von Bildern genug profiliert, um ein Jobangebot zu bekommen. Bisher wurde ich nur gefragt, ob ich Lust hätte als Fotograf für die NMBU zu arbeiten und dann jeden Dienstag (warum so oft?) Fotos von Angestellten im Fotostudio zu machen. Mit dem ganzen Equipment muss ich dann selbst zurecht kommen, aber das kann ich. Das wäre vermutlich ein Job, der nicht so viel Arbeit bedeuten würde, nur einmal die Woche ist und damit ideal als Studentenjob für mich sein könnte. Außerdem bezweifele ich, dass es groß Konkurrenz geben wird, da ich scheinbar einer von dreien bin, der mit solchen Equipment hier umgehen kann und das Angebot von einem von denen bekommen habe, da er keine Zeit dafür hat. Ich habe nicht erwartet, dass ich mal so eine gute Chance auf einen Job durch mein Hobby quasi geschenkt bekomme! Mal abwarten, wie sich das alles entwickelt. Wäre auf jeden Fall toll, wenn es zu Stande käme.

Unitechnisch habe ich zwei Abgaben im November, wo ich aber gut am Ball bin. Dazu kommen noch ein Paar wöchentliche Aufgabenzettel über Umweltchemie und dann fängt Anfang Dezember schon die Klausurenphase an. Das schlechte ist: Es fühlt sich an, als ob ich viel zu wenig Zeit hätte. Das Gute ist: Das habe ich schon oft gesagt und mich immer kräftig verschätzt. Ich kann nicht besonders gut mit der Art von Stress umgehen. Ich weiß nicht, ob man das im Berufsleben in allen Jobs so hat, aber in der Uni ist die Arbeit nie vorbei. Das bedeutet, dass man nicht nur hingeht, was tut und wieder zurück kommt, sondern das meiste der Arbeit erst los geht, wenn man wieder zu Hause ist. Jetzt habe ich zum Beispiel bis Donnerstag Zeit, meinen Umweltchemie Aufgabenzettel zu lösen, treffe mich aber schon am Mittwoch mit meiner Gruppe aus Bodenkunde, um Fortschritte in unserem Bericht zu besprechen und habe gleichzeitig noch eine eigene Aufgabe, bei der ich ein Poster über die Gefahren von Mikroplastik erstellen muss. Man kann sich natürlich eine tägliche Zeitgrenze setzen, nach der man nicht mehr daran denkt, um nicht allzu gestresst zu sein. Da kann ich nur sagen: Viel Glück. Wenn das ganze alltägliche Leben davon bestimmt wird, denkt man immer, dass man aber noch mehr tun sollte und ist bei jeder Pause kritisch, ob man nicht arbeiten sollte. Dass die Arbeit sich dabei oft von früh morgens bis spät abends oder nachts erstreckt, macht das einlegen von Pausen leider nicht einfacher, wie man denken könnte. Dann ist man schon so in dem konstanten Arbeitsfluß drin, dass man eigentlich ein paar Tage Pause gebrauchen könnte. Zum Beispiel am Wochenende. Da könnte man aber auch Hausarbeit und liegen gebliebene Uni-Arbeit aufholen. Oder nicht nur das Pensum erfüllen, sondern schonmal etwas für die Klausuren lernen. Und dann ist wieder Montag. Ohje. Für das Cliché der faulen Studenten verweise ich auf diejenigen , die bei fast jeder Party von UKA dabei waren. Wie die das alles managen ist mir ein absolutes Rätsel. Falls sie das managen. Ok, ich komme vom Thema ab.

Das klingt nach dem letzten Absatz ein bisschen komisch, aber es ging ja darum, dass man eigentlich schon genug Zeit hat, aber es schwer ist, abzuschalten oder den Stress gut zu managen. Kommendes Wochenende besuchen Johanna und ich Christopher (Kumpel aus Göttingen) in Bergen. Dort macht er gerade ein Erasmussemester (Studentenaustausch). Zudem hat Johanna Bergen noch nie gesehen und für mich ist es die einmalige Chance ihn hier in Norwegen zu besuchen. Nach Weihnachten ist er weg und bis dahin wird es nur stressiger. Also jetzt oder nie. Ástros (Freundin aus Göttingen) kommt sogar auch per Flugzeug vorbei, sodass wir die alte Kerngruppe aus Göttingen hier wiedervereinen können. Das wird sicher super gut!

Johanna und ich sind immer noch fleißig dabei Sport zu machen. Zum Glück ist das Trainingcenter so nah dran, dass man weder von der Anreise demotiviert wird, noch zu viel Zeit dabei verliert. Ich muss sagen, dass ich mich schon körperlich außer Form fühle. Also ich habe ja schon gute Ausdauer etc., aber ich war auf jeden Fall mal trainierter und das gefällt mir gar nicht gut. Mein Ziel ist es eigentlich meinen Körper so fit zu halten, dass ich gesund älter werde. Durch Training kann man ja einigen Sachen vorbeugen und das ist auch mein Ziel. Außerdem macht es auch Spaß und ist eine willkommene Abwechslung zum Uni-Alltag.

Wir haben hier in Ås einen Laden, der abgelaufenes Krams von anderen Läden verkauft. Der Gedanke dabei ist, Lebensmittel, die noch gut sind, für weniger Geld anzubieten und insgesamt weniger Essen wegwerfen zu müssen. Gestern habe ich dort eine Art Großeinkauf getätigt indem ich 10kg Haferflocken gekauft habe. Die Verkäuferin fand es toll, dass ich immer nur gesunde Sachen dort kaufe, was ich ganz süß fand. Aber es stimmt: Durch wahnsinnige Alokoholsteuern, Zuckersteuer und was sich die Norweger nicht noch alles ausgedacht haben, ernähre ich mich tatsächlich gesünder. Ich würde zum Beispiel schätzen, dass mein Alkoholkonsum höchstens 1/10 von dem ist, wie es in Deutschland der Fall war. Es ist natürlich nervig, dass dadurch auch einem entspannten Wochenendbier oder so eine Hürde in den Weg gestellt wird, aber insgesamt lebe ich gesünder. Ganz davon ab, dass man durch vegane Ernährung eh nur die Wahl von Gemüse mit anderem Gemüse hat. Aber das soll keine Beschwerde sein; es ist erstaunlich was für leckere Sachen man damit zaubern kann!

So, jetzt wird es aber Zeit Frühstück für Johanna zu machen, die bis halb vier nachts für UKA arbeiten musste. Bis denne!

 

Wir lernen Norwegisch: Alltag - en hverdag; alltäglich - hverdagslig

Ist es schon wieder so lange her?

Es ist schon wieder etwas her seit dem letzten Eintrag. In der Zwischenzeit hatte ich viel zu tun. Hauptsächlich mit der Uni, aber auch mit freiwilligen Tätigkeiten im NMBU fotoklubb und bei dem Kulturevent, das den ganzen Oktober lang geht (UKA i Ås). Was wir natürlich nicht wussten ist, dass nur die jenigen Freiwillige werden, die nicht wissen, was das bedeutet. Ich muss "nur" zwei Events fotografieren und eine Woche lang Bilder bearbeiten, aber andere haben 3-5 Schichten, die jeweils bis zu 13 Stunden lang sind. Als "Auszahlung" gibt es günstigeren Eintritt zu Parties, sodass man nur noch 18 bezahlen muss, um überhaupt rein zu kommen. Was für ein Schnäppchen! Naja, die haben es gut angeworben und damit einige in die Falle gelockt. Immerhin lernt man ein paar Leute kennen. Allerdings sind vermutlich alle irgendwie pissig, dass sie um die 40 Stunden arbeiten und nichts dafür bekommen. Dafür habe ich einen Job abgesahnt, bei dem ich Bewerbungsfotos bei unserem Karrieretag gemacht habe. Das waren insgesamt 12 Stunden Arbeit für 3000 NOK, die ich allerdings noch nicht bekommen habe. Ich habe überlegt einen Gastartikel in unserer Studentenzeitung Tuntreet über diese fragwürdige Anpreisung von so viel Arbeit, ohne dass man es vorher weiss, zu schreiben.

Die Uni hier hat eine andere Struktur, wenn es um den Alltag geht. Ich habe hier das Gefühl, viel mehr zu lernen, was aber auch daran liegen sollte, dass es dauerhaft etwas zu tun gibt. Es liegen immer irgendwelche Projekte an, welche eine oder einige wenige Wochen Zeitfrist haben. Diese überschneiden sich gerne miteinander, zusätzlich zu den Vorlesungen und dem Fakt, dass man sich dummerweise für UKA freiwillig gemeldet hat. Jedenfalls haben wir hier ein Fach, das ähnlich zu einem in dem deutschen Master ist, den ich angefangen hatte, allerdings fast nur auf chemischen Erklärungen beruht. (Ich habe wenig Ahnung von Chemie(gehabt)). Dadurch ist es komplexer für mich, allerdings fühlt es sich auch so an, als würde ich verstehen, was wirklich vor sich geht ist, anstatt dass ich es nur mehr oder weniger auswendig lerne. Also gibt es viel zu tun, besonders nächste Woche, wo Freiwilligentätigkeiten als Fotograf und Bildbearbeiter (inkl. Deadlines) mit einem Gruppenreport, Gruppentreffen, einer Posteraufgabe, einer Caseaufgabe (die hat mich letztes Mal alleine vier Tage in Schach gehalten) und der üblichen Uni kollidieren. Montag fotografiere ich ab 22Uhr ein Konzert von Sondre Justad (auf das ich mich freue), was ca. bis drei Uhr nachts geht. Um 8Uhr geht dann die Uni los und da ich gleichzeitig Bildbearbeiter bin, ist um 11Uhr die abgabefrist für die Bilder. So eine Woche wird das.

Um von dem rumgenöle weg zu kommen, habe ich hier mal eine Karte von unserer Gegend gemacht:

Ich hoffe, dass man erkennen kann, dass es höchstens ein Kilometer zur Uni ist und das Sportcenter sogar auf dem weg liegt. Johanna und ich haben beide angefangen dort Sport zu machen, da es für einen Einheitspreis von rund 20 im Monat von kletter/bouldern über Groupfitness, Fußball bis zu Krafttraining alles bietet. Für mich ist es mal wieder Zeit ein paar Gewichte zu heben, nachdem ich gehört habe, wie gesund es ist und gleichzeitig genau so gut gegen Depressionen ist, wie Antidepressiva (nicht, dass ich deprimiert wäre, aber es schadet ja nicht - besonders mit der dunkelen Jahreszeit vor der Tür). Zusätzlich haben sie Laufbänder, sodass ich joggen kann, ohne mich jedes Mal zu erkälten, wie es sonst bei mir im Winter üblich ist.

Ohja, ich habe es endlich geschafft, mich polizeilich registrieren zu lassen, was mich meiner Personennummer ein bisschen näher bringt. Im besten Fall habe ich sie sogar vor 2019. Ich zweifele den offiziellen Zeitrahmen von 8 Tagen, den man hat, etwas an, aber so schlimm ist es ja auch nicht, wenn man dann 142 Tage zu spät dran ist.

Wir lernen Norwegisch: Jeg er stresset. - Ich bin gestresst.

Dänemark Urlaub

Letzte Woche waren wir mal wieder in Dänemark, um eine Woche mit rund 25 Leuten in einem riesen Ferienhaus. Das war für mich jetzt schon das 7. Mal und ich, genau wie die anderen, scheinbar, freue mich schon auf nächstes Jahr. Leider hat sich das Kranksein wohl gegen uns verschworen. Viele von uns, inklusive Johanna und mir waren den Urlaub über krank. Allerdings waren Johanna und ich schon die Woche vorher halb bettlägerig und sind es immer noch ein bisschen. Aber genug mit den Beschwerden. Es war ein super Urlaub, wir haben jede Menge Brettspiele gespielt, waren in der Sauna (was gut gegen Krankheiten ist - quasi wie Fieber) und ab und an auch draußen. Das Wetter war aber eher mäßig. Oft Regen, eigentlich immer starker Wind etc. Wir haben aber das beste draus gemacht und uns anschließend auf die 23h lange Heimreise mit dem Bus begeben. Wir wollten fliegen vermeiden, um die Umwelt zu schonen. Schiffe und Flugzeuge haben leider eine beschissene Umweltbilanz. Naja, uns haben wir damit dafür nicht so geschont.

Ansonsten läuft die Uni bisher ganz gut, auch wenn wir eine Woche verpasst haben. Als Student ist das ja zum Glück kein großes Problem. Wir sind fleißig am Nachholen und Vorbereiten. Auf die Art haben wir, glaube ich, genug zu tun, um das Semester zu füllen. Das ist hier übrigens schon vor Weihnachten zu Ende, womit wir in der Vorweihnachtszeit die Klausuren schreiben und es eher stressig haben werden. Auf der anderen Seite kriegen wir dieses Mal dann nicht mit gewisser Schadenfreude (?) zu hören, dass wir uns doch die 110 Seiten hochgeladenes Arbeitsmaterial durchlesen sollen, wenn wir an Weihnachten nicht gerade mit der Familie essen. Wir können uns dann entspannen. Auf jeden Fall bis entweder Januar oder Februar, wo es dirket weiter geht.

Allgemein scheint die Uni hier zwar angenehmer zu sein (im Sinne von weniger Distanz zwischen Professoren und Studenten, besser durchplanten Vorlesungen usw.), allerdings hat man auch deutlich mehr zu tun. Dafür habe ich das Gefühl, jeden Tag aktiv etwas mitzunehmen, was vorher nicht unbedingt immer der Fall war. Leider muss man die Lehrbücher hier selbst kaufen. Das gleicht sich sicher damit aus, dass man nur ~50 Studiengebühren hat (Göttingen waren eher so 300-400), aber ein Buch für 45 tut trotzdem irgendwie weh. Vorallem wenn es eher so 2 pro Fach sind. Naja, manche kann man aber sicher auch nach den Fächern noch gebrauchen, was ja auch ganz schön ist. Und man hat immer die Möglichkeit sich etwas aus sicheren Quellen anzulesen.

Es ist inzwischen fast wundersamm, aber ich habe jetzt tatsächlich einen Termin bei dem Steuerbüro, um eine ordentliche Personennummer zu bekommen und um meinen Umzug nach Norwegen zu melden, wie es gesetzlich gefordert ist. Das soll man innerhalb von 8 Tagen nach Ankunft in Norwegen machen, falls man bleiben will. Der frühste Termin war im Oktober zu bekommen. Also selbst wenn ich jetzt angekommen wäre... Ähäm, jedenfalls war ich ja absolut rechtzeitig dort. Ihr seid meine Zeugen.

Morgen wollten wir eigentlich eine Fahrradtour nach Vinterbro machen, wo wir Farbe kaufen wollten, mit der wir ein paar Möbel anstreichen wollen. Leider ist Johanna noch recht krank und morgen sind 4mm Regen und 120km/h Wind gemeldet, was das ganze nicht ganz so einladend macht, wie es ursprünglich mal klang. Wir bekommen gerade ein paar Reste von irgendeinem Wirbelsturm vom atlantischen Ozean ab. Vielleicht ja am Samstag.

Außerdem haben Johanna und ich uns als freiwillige Helfer für das einmonatige Festival hier in Ås gemeldet, um hoffentlich ein paar Freunde zu finden. Ich bin dann scheinbar Fotograf und Johanna allgemeine Helferin. Eventuell bekomme ich sogar noch einen bezhalten Job, in der Zeit, bei dem ich Fotos bearbeiten muss. Also genau mein Ding. Bis denne!

Wir lernen Norwegisch: et uvær - ein Unwetter

PS: Das Bild ist zu grob der selben Zeit (im Jahr) und am selben Ort entstanden, wo wir sonst immer mit Picknickdecken und Strandspielen gesessen haben.

Laborwoche

Es hat sich wieder genug angesammelt, um darüber zu schreiben. Die Woche mit dem Graben der Bodenprofile war ganz schön, nur ein bisschen regnerisch hier und da. Außerdem war unser Torf-Profil das einfachste. Unser 1*1,5*0,9m Loch war am einfachsten auszuheben. Es ist auch ein bisschen spannend, dass der Boden komplett organisch ist, also keine Sandkörnchen oder ähnliches beinhaltet. Diese Woche haben wir unsere Proben dann ein wenig im Labor unter die Lupe genommen. Um mal einen Eindruck zu geben, was man bei einem Boden so ermitteln kann liste ich mal die untersuchten Eigenschaften auf: Nassgewicht, Trockengewicht, Gewicht nach 12 Stunden bei 550°C, Farbe, Dekompositionsgrad (mit drei verschiedenen Experimenten getestet), Partikelgrößenverteilung, Steingehalt, Wurzelgehalt, Dichte, Kohlenstoffgehalt, Porenvolumen pro 100cm³, Partikelvolumen pro 100cm³, pH-Wert und Bodenklassifizierung. Das Ganze dann sechs Mal, da wir so viele verschiedene sog. Horizonte im Boden haben.

Wie man vielleicht auch erahnen kann, ist unsere Gruppe multikulturell. Wir kommen aus Norwegen, Deutschland (nur ich), Italien, Ghana und der Ukraine. Der Kurs ist, wie gesagt, auf Englisch, was aber nicht heisst, dass nicht auch ein guter Teil Norwegisch benutzt wird. Ich persönlich habe nur Norwegisch benutzt, wenn ich nur unter Norwegern war, um die anderen nicht auszugrenzen. Die Sprache zu verbessern ist zwar wichtig, aber Niemanden auszugrenzen ist, meiner Meinung nach, noch wichtiger. Diesen Freitag haben wir alle unsere Ergebnisse in einer Präsentation vorgestellt, wo die Professorin unsere "very good" fand und meinte, dass daraus sicher eine gute Hausarbeit wird.

Seit dieser Woche bin ich Mitglied in dem NMBU Fotoklub (NMBU = Norges Miljø- og Biovitenskapelige Universitet = meine Uni). Beim ersten Treffen ging es erstmal nur ums Kennenlernen. Allgemein ist das Niveau nicht so super hoch, aber die Leute haben alle Bock und das ist das wichtigste. Was genau dann weiter in dem Klub passiert, steht noch nicht richtig fest, aber es wird so ein paar Kurse geben und so. Ich will einen Porträtfoto Abend für Neueinsteiger vorschlagen. Solche Sachen eben. Außerdem bin ich zum Treffen von Tuntreet, unserer Studentenzeitung, gegangen und fotografiere am 17.09. ein Konzert dafür. Der Zweck soll sein, ein paar Leute kennenzulernen. Aber da habe ich die besten Chancen im Fotoklub, wie es aussieht. Das Treffen hat echt Spaß gemacht.

Zu guter letzt habe ich diese Woche zwei Projekte im Gang, die sich nur um Nahrung drehen. Das erste ist bereits fertig: Schwarzbrot. Brot in norwegischen Supermärkten würde man aus deutscher Perspektive eher Toast nennen, also dachte ich mir, dass ich einfach Schwarzbrot selber mache. Wusstet ihr, dass das zwei/drei Tage dauert? Naja, es hat sich jedenfalls gelohnt, auch wenn es noch Verbesserungspotential gibt. Das zweite Projekt ist Kvass. Dabei handelt es sich um ein russisches Getränk, was aus Brot und Rosinen gemacht wird. Außerdem ist es mit Hefe fermentiert, also muss auch das seine zwei Tage stehen und in Ruhe fertig werden. Was an den beiden Kochprojekten ganz witzig ist, ist, dass die Sachen beide bei rund 35°C gelagert werden sollen. Eigentlich könnte man dazu wohl die Lampe im Ofen nutzen, was unserer nur leider nicht erlaubt, da es ein Hightech-Gerät mit allen möglichen (Sicherheits)vorkehrungen ist. Stattdessen nutzen wir also die Fußbodenheizung im Bad. Wir machen Essen mit dem Boden im Badezimmer. Und ihr so?

Wir lernen Norwegisch: ja = ja; nein = nei; nicht = ikke (z.B. Nei jeg kan ikke. = Nein, ich kann nicht.)

Ende der Fadderuka

Die Fadderuka ist heute zu Ende und ich war das letzte mal vor einer Woche da. Einige waren nicht ganz so angetan von der Orientierungsphase, darunter ich. Das lag zum Teil daran, dass ich nicht so viel Lust hatte, viel zu trinken und zum anderen, da ich glaube, dass man in den tatsächlichen Unikursen eher Leute kennenlernt. Auf Parties ist das oft so oberflächlich und man sieht die Leute vielleicht nichtmal wieder. Dadurch ist es irgendwie schwer, soziale Kontakte aufzubauen. In der Uni hingegen ist es leichter, vernünftig mit Leuten zu reden und sie später nochmal wiederzusehen. Naja, der Punkt ist, dass ich mich irgendwie unsozial fühle, da ich nicht hingegangen bin, aber andererseits auch einfach keine Lust hatte. Spaß hatte ich aber auch so. Joahnna und ich haben die Gegend in Ås ein bisschen erkundet, ich habe mal wieder Xbox gespielt, war joggen und habe Leute in der Uni kennengelernt, mit denen wir am Dienstag einen Brettspieleabend geplant haben. Also eigentlich kann ich mich nicht beschweren. Ohja und hier ist das Video von unserer neuen Wohnung.



Worüber ich mich leider schon beschweren kann, ist, dass meine Hautkrankheit an den Händen wieder eine aktive Phase hat. Vielleicht ist mein Immunsystem gerade in den Knien. Schwer zu sagen. Jedenfalls will ich damit eigentlich mal einen Arzt aufsuchen, da es inzwischen wirklich lange her ist, seit ich das letzte Mal versucht habe, etwas dagegen zu unternehmen. Vorallem gewöhnt man sich so sehr daran, damit zu leben, dass man die Krankheit als normal hin nimmt und gar nicht auf die Idee kommt, sie zu bekämpfen.

Außerdem will ich den X-ten Anlauf nehmen, endlich online banking zu bekommen, was einfach nur eine Tortur ist, wenn man keine ordentliche Personennummer hat, sondern nur die für Ausländer. Wobei wir direkt beim nächsten Punkt wären: Ich will die zuständigen Leute in Oslo mal anrufen und fragen, ob ich eine richitge Personennummer bekommen kann. Theoretisch steht dem nur im Weg, dass auf dem Personalausweis kein Geschlecht angegeben ist. Toi toi toi.

Zu Hause rede ich viel Deutsch mit Johanna, damit sie es nicht verlernt und da wir einfach daran gewöhnt sind. Allerdings benutze ich im Alltag möglichst viel Norwegisch und in dem englischsprachigen Bodenkundekurs eben auch Englisch. Natürlich würde mein Norwegisch sich noch schneller verbessern, wenn ich nur Norwegisch reden würde, aber das ginge dann auf Kosten von Johannas Deutsch und dann wäre es sicher auch in gewisser Weise schädlich für die Beziehung. Also Deutsch. Aber trotzdem denke ich, dass mein Norwegisch sich stets verbessert, meine Aussprache sich langsam etwas mehr der korrekten Aussprache anschmiegt, ich weniger grammatikalische Fehler mache und - am wichtigsten - ich in einen natürlichen Fluß beim Sprechen gerate.

Ich bin außerdem einem Fotoklubb beigetreten, der sich zum ersten Mal Ende des Monats trifft und habe geguckt, ob ich bei der Studentenzeitung als Fotograf aushelfen kann. Der Traum wäre ja, neben dem Studium etwas Geld dami zu verdienen. Aber das ist er schon lange und bisher ist nie genug dabei herausgekommen. Außerdem bekommen alle Norweger einen Studentenkredit von 9000 NOK (~900?) im Monat. Ohne wenn und aber. Man bezahlt dann 60% zurück, aber kommt eben ohne Geldprobleme durchs Studium. Das kann man als Ausländer aber nicht bekommen, was ja auch Sinn macht. Das Land möchte ja in die eigene Zukunft investieren und nicht in andere Länder.

Am Montag gehe ich zu dem Studienberater, der mir alles über meine Studienspezialisierung (Boden und Umwelt) erzählen soll. Also welche Fächer sind relevant, damit ich später für eine Kommune arbeiten kann (was ich gerne möchte), wann ich welche Fächer belegen muss, wie ich mein ganzes Studium strukturieren sollte, ab wann ich an meine Masterarbeit denken muss und was für Berufsaussichten es in Norwegen für mich gibt. Boden gibt es ja überall, aber spielt er auch überall eine große Rolle für Menschen? (Ja, tut er, aber wird er gemanaged und genutzt?) Johannas studienberater hat sich eine Stunde Zeit für sie genommen und alles ausführlich erklärt, was ja wirklich wunderbar ist. Ich hoffe, dass es bei mir ähnlich abluafen wird, damit ich nicht in der Situation bin, in der man in Göttingen dauernd war. Da war die Organisation angeblich überdurchschnittlich gut für Deutschland, aber in der Praksis war es teilweise komplettes Chaos.

Morgen gehen wir außerdem in den Wald und auf ein Feld, um Bodenprofile auszuheben. Das sind 1*1,5*1,2m große Löcher. Das Graben selbst ist zwar wenig verlockend, aber der wissenschaftliche Ansatz macht es spannend und zusätzlich ist es eine gute Möglichkeit, um sich zu sozialisieren, in dem man über das 'dämliche Loch' lästern kann. So wird man, meiner Erfahrung nach, gut zusammengeschweißt. Ich melde mich später. Bis denne.

Wir lernen Norwegisch: en skog - ein Wald

Fadderuka

Was ist fadderuka? Das ist das norwegische Equivalent zu der Orientierungsphase an deutschen Unis. Dabei lernt man den Campus kennen, findet Freunde und lernt alles relevante, um in das Studium zu starten. In der Theorie auf jeden Fall. Ich kenne mich jetzt ganz gut auf dem Campus aus, habe mit vielen Leuten aus meinem Studium geredet und auch sowas wie einen Freund gefunden. Allerdings wurden wir kein bisschen auf den Studienstart vorbereitet. Die fadderuka hat am Freitag angefangen und geht 9 Tage lange, also bis zu diesem Sonntag. Am Montag sollte man endlich die Informationen über das Studium selbst bekommen, da am Dienstag die ersten Kurse angefangen haben. Nachdem wir leider auch da keine relevanten Informationen bekommen haben, habe ich versucht, die Professorin direkt zu kontaktieren und habe es so "nur zwei Stunden zu spät" in meinen Kurs geschafft. Also eigentlich ist alles gut. Ich fand es nur eher schlecht, dass ich selbst rausfinden musste, dass dieser Kurs existiert, wann er stattfindet (nicht offensichtlich) und wen ich fragen kann, um daran teilzunehmen. Das Ganze war ziemlich schlecht organisiert und daher stressig, alles selbst rauszufinden. Im August gibt es einen Block, in dem man ein Fach konzentriert hat. Bei mir ist Das 'Boden, Vegetation und Landschaft', was prinzipiell Bodenkunde ist. Meine Spezialisierung wird vermutlich auch 'Boden und Landschaft' sein, was mir ganz gut passt. Hier ist der Ansatz auch etwas naturwissenschaftlicher und der Unterricht wirkt bisher irgendwie besser als in Göttingen, aber das ist bisher ja noch wirklich nicht aussagekräftig.

Joahnna und ich sind inzwischen auch komplett eingezogen. Wir mussten hier und da ein paar Sachen kaufen und jetzt habe ich sogar ein Fahrrad, was ich günstig gebraucht gekauft habe. Wir hatten auch einen ersten Besuch von Matze und Vivi aus Göttingen, was wirklich schön war. Wir haben zum Beispiel einen Strand in der Gegend gefunden, der relativ exotisch war. Vielleicht sollte ich dahin zurückfahren, um Photos zu machen. Eigentlich habe ich auch ein Video von der Wohnung gemacht, aber Johanna mochte nicht, dass sie mit drauf ist, also kommt später ein Video.

Es gibt außerdem Studentenvereinigungen für alles Mögliche, sowas wie Politikdebattenclub, nachhaltiges Essen Club und so weiter. Das gibt es für alle möglichen Dinge. Ich will mal im Fotoclub vorbeischauen. Ich schaue mal, wie sich alles entwickelt. Bis denne!

Wir lernen Norwegisch: ei jord - ein Boden

Trondheim

Wir sind zurück nach Trondheim gefahren und haben ein paar Tage dort verbracht.

Aufgrund von schlechtem Wetter sind wir ein paar Tage früher als geplant nach Trondheim zurückgefahren. Hier war das Wetter zwar auch nicht der Brüller, aber wir haben es uns ein bisschen gut gehen lassen und uns an Dingen wie elektrischem Strom, Internet und der Innenstadt erfreut. Nachdem meine komischen Air Schuhe jetzt bei jedem Schritt quitschen, bzw ein ersticktes Gurgeln von sich geben, sobald sie nass sind, habe ich sie ersetzt und mir zudem einen ordentlichen Photographierucksack gekauft. Mit dem bin ich jetzt immer vorbereitet.

Es war schon etwas seltsam von Smøla abzureisen. Man fühlt sich so schnell etwas zugehörig, dass ich dachte, von einer Heimat wegzufahren. Und dann waren auch noch überall Häuser, Läden, Berge und sonstiges Fremdes. Da war ich erstmal argwöhnisch, habe dann aber gemerkt, dass nichts davon so gefährlich war, wie gefühlt und mich langsam wieder in das Festland integriert. Jetzt muss ich nicht mehr zur Arbeit rudern und radeln, verdiene aber erstmal auch kein Geld mehr. Ich lasse das Studium auf mich zukommen und schaue dann, wie viel Zeit ich nebenbei noch für einen Nebenjob habe. Aber eigentlich sollte ich mir einen zulegen. Naja, dass warte ich erstmal ein paar Wochen ab.

Auf dem Bild ist Trondheim Grenze zur Innenstadt zu sehen.

Heute Nacht (Dienstag, 07.08.) reisen wir mit dem Nachtzug nach Ås, wo wir dann morgen die Wohnungsschlüssel bekommen. Dann erfahren wir auch endlich, ob wir 30m² oder 33m² bekommen haben. Am Freitag geht die fadderuke (die Einführungswoche) los, wo wir unsere Mitstudierenden, das Studienfach und den Campus kennenlernen. Johanna und ich studieren sogar an der selben Fakultät, was vielleicht ganz praktisch ist! Außerdem bekommen wir am Sonntag den ersten Besuch aus Deutschland. Montag gehen die Vorlesungen los. Welche das sind, sehe ich scheinbar am Wochenende, wo man sich für alles anmeldet, einen Studentenausweis bekommt usw.

Also es wird auf jeden Fall spannend für mich, in der Zukunft. Mal sehen, wie es ist, auf Norwegisch zu studieren und ob es mir gelingt, schnell Freunde zu finden. Ich lasse von mir hören :)

Wir lernen Norwegisch: å flytte - umziehen (Haus/Wohnung)

Sommerjob

Mein Sommerjob ist jetzt offiziell zu Ende. Ich habe 144h gearbeitet und gut Geld verdient. Gegebenenfalls muss ich allerdings 1/3 davon erstmal als Steuern zahlen, bis ich es nächstes Jahr wiederbekomme, da ich unter dem Betrag liege, unter dem man überhaupt Steuern zahlen muss, aber nicht nach einer Befreiung von Steuern fragen konnte, da ich keine Personennummer habe (P-nummer).

Die Arbeit war oft recht entspannt und gut erträglich, allerdings hatte ich eben ein paar Probleme, mich dort richtig zu integrieren. Die Kollegen waren zwar alle nett, aber ich konnte keinen richtigen Draht zu ihnen aufbauen. Trotzdem war es eine gute Erfahrung einen ersten Job in Norwegen gehabt zu haben. Nicht nur, dass ich relevante Arbeitserfahrungen gesammelt habe, sondern auch dass ich mein Norwegisch verbessern konnte und ein bisschen mehr verstanden habe, wie die Norweger so ticken, wird mir sicher in der Zukunft weiterhelfen können. Ich möchte noch anmerken, dass der anstrengende Teil des Jobs nicht der teils 2 Stunden lange Anfahrtsweg per Ruderboot und Fahrrad, oder die Arbeitszeiten bis in die Nacht waren, sondern der psychische Aspekt, dass Johanna und ich zwar zusammen gewohnt haben, aber trotzdem teilweise eine Woche so gut wie keine Zeit mit einander verbringen konnten, da sie tagsüber und ich abends/nachts gearbeitet habe. Es hat psychisch wirklich gezehrt, zu wissen, dass ich den einen Tag nach dem anderen tagsüber vertrödeln muss, obwohl ich Zeit mit ihr verbringen wollte und dann aber weg musste, sobald sie nach Hause gekommen ist. Wir haben gestern gemerkt, dass wir so wenig miteinander reden konnten, dass wir über Sachen von vor zwei Wochen nicht geredet hatten. Memo an mich selbst: Nächstes Mal so etwas auf jeden Fall verhindern.

Jetzt haben wir aber noch ein paar Tage auf Smøla, in denen wir einfach die Ferien genießen werden. Danach geht es dann nach Trondheim und anschließend nach Ås. Morgen kommt eine Freundin der Familie nach Veiholmen, wo wir dann auch mit dem Boot Veltepetter ( bedeutet so circa "der, der immer umkippt"...) fahren wollen, um sie zu besuchen. Dann kann ich meine ganzen Sachen, das Trinkgeld vom Job und hoffentlich auch meine Bankkarte abholen. Die Bankkarte sollte per Post versendet werden, allerdings haben wir auf Veiholmen gar keinen Briefkasten. Dann wollten wir erst einen aus einer alten Eispackung bauen, aber haben uns entschieden, ihn nach Vågarbryggå schicken zu lassen.

Letztens haben wir einen halben Tag lang Torf gestochen, welcher auf das neue Bootshaus (No. et naust) als Dachbelag kommen wird. Das sieht dann sicher echt gut aus und man stellt sich das so ein bisschen romantisch vor, aber Torfstechen ist eine unglaubliche Arbeit. Vorallem wenn man von Bremsen (No. en klegg) förmlich aufgefressen wird. Aber irgendwie war es trotzdem eine gute Erfahrung. Das war ein bisschen wie ein Museum zum mitmachen.

Von jetzt an wird der Aufenthalt sicherlich angenehmer. Ich freue mich schon auf das Studium und das Leben in Ås, die restlichen Tage auf Smøla und unsere erste richtige Wohnung in Norwegen. Ab dann nehmen wir auch gerne Besuch entgegen (behaupte ich jetzt mal). Ich gehe jetzt raus und genieße die Sonne und die "Wärme" :)

Wir lernen Norwegisch: en øy - eine Insel; øya - die Insel (z.B. Edøy = Ed-Insel)

Adieu, Zukunftsangst

Ratet mal, wer als Masterstudent an der NMBU in Ås angenommen wurde?! Wahnsinn, oder? Nach drei Jahren Norwegischkurs, einem fast vierstelligen Betrag an Sprachzertifikatstests und vielen stressigen Tagen, halbschlaflosen Nächten, Hoffnungsschimmern (das kann doch gar nicht schief gehen) und Verzweifelung (was ist, wenn ich mein Studium jetzt umsonst gemacht habe?) wurde ich nun letztendlich angenommen. Wie ihr oben sehen könnt, wurde ich für Miljø og naturressurser (Umwelt- und Naturressourcen) angenommen. Das ist genau das Studium, welches in Göttingen schon angefangen habe, was mich besonders glücklich macht, da es wirklich interessant und vorallem wichtig für die Zukunft der Menschen ist. Ich bin wirklich nicht so emotional, wenn es um Tränen geht, aber als ich die Antwort von der Universität bekommen habe, hatte ich schon ein bisschen Pipi in den Augen. Ob es der ganze Stress war, der sich ausgezahlt hat, oder eher die Gewissheit, dass ich meine Ausbildung nicht in die Tonne treten musste, um nach Norwegen zu kommen, ist mir selbst nicht ganz klar. Jedenfalls ist es jetzt überstanden. Puh.

Desweiteren habe ich nun endlich ein Bankkonto. Um das zu kriegen braucht man die D-Nummer (Steuernummer für Ausländer), einen Personalausweis und ggfs. einen Arbeitsvertrag. Obwohl ich das alles hatte wurden meine ersten drei Versuche abgewiesen, weil die Banken eigentlich einen Reisepass sehen wollen, keinen Personalausweis. Nachdem ich zusammen mit Johannas Mutter und den ganzen Dokumenten in die nächste Stadt (Kristiansund) gefahren bin (Bus-Boot-Boot-Bus) konnte ich ein Konto eröffnen, nachdem wir beide auf die Bank eingeredet haben. Um onlinebanking zu bekommen braucht man eine norwegische Handynummer. Banking am PC ist Norwegern oder Einwanderern Vorbehalten. Ist man ein Einwanderer, braucht man eine P-Nummer (Steuernummer für Norweger), welche man nur bekommt, wenn man einen unbefristeten Arbeitsvertrag oder andere Dokumente hat, die bestätigen, dass man länger bleiben wird. War das etwas verwirrend? Vermutlich. Ich habe selbst die Übersicht, aber das kam nicht ohne fremde Hilfe und recherche im Internet, sowie einem Haufen Bürokratie. Als ich damals in Kanada war, war es einfacher alles das zu machen, was man eben machen muss. Oder mit den Worten eines hilfreichen Bloggs über Einwandern nach Norwegen (trolljenta.no) "Ohne P-Nummer ist man kein Teil der norwegischen Gesellschaft". Zum Glück kann ich jetzt einen Personalausweis an der deutschen Botschaft in Oslo holen (ich nehme an, dass das lange dauert), damit ich eine P-Nummer kriegen kann und damit freie Bahn habe. Bisher klappt ja alles. Eins nach dem anderen.

Das Photo oben ist von der Insel mit der Inselhütte. In letzter Zeit bin ich etwas mehr Fahrrad gefahren (120km in den letzten drei Tagen), um mit Johanna und Familie zusammen sein zu können. Rudern bekomme ich jetzt gut hin. Baden war ich auch ab und zu. Das Meer hat einladende 11°C, sieht aber glasklar und an manchen Orten regelrecht tropisch aus. Die kleinen Gesteinsinseln, die aus dem Wasser ragen kann man gut als natürliches Sprungbrett nutzen. Ansonsten war ich ab und zu joggen und habe versucht Plastikmüll (dabei) zu sammeln. Morgen laufe ich erst einen Halbmarathon und gehe dann bis nachts arbeiten. Das wird sicherlich hart, aber danach fühle ich mich sicher gut. Ich will versuchen, die Teilnehmer, die eh keine gute Zeit schaffen werden (so wie ich), ein bisschen Plastikmüll am Straßenrand aufzuheben. Hier am Meer gibt es durch die Strömungen einen gefühlt unendlichen Nachschub an Plastikmüll. Allerdings gibt es auch deutliche Zeichen dafür, dass viele Leute ihren Müll einfach aus dem Auto werfen. Falls das noch nicht bekannt war: Die Menschheit hat die Kontrolle über den Plastikmüll verloren, er ist überall zu finden, sogar Mikropartikel im Trinkwasser. Um dem ganzen Wahsinn entgegenzuwirken, will ich versuchen ein bisschen Aufmerksamkeit auf das Thema zu richten. Ich denke, dass jedes bisschen zählt. Außerdem hat zwar jeder einzekne von uns zu der Situation beigetragen, aber es wissen sicher nicht alle über die Ausmaße oder den Handlungsbedarf Bescheid. Ein Video über Plastikmüll könnt ihr euch hier angucken (es gibt deutsche Untertitel): https://goo.gl/QYTzD7

Ansonsten läuft alles wie gehabt, es gibt viele Touristen auf Veiholmen, die allermeisten Norweger. Ich habe bisher einmal Österreicher gesehen, aber die waren die einzigen, welche Ausländer waren. Also außer mir. Ich freue mich schon in Zukunft Besuch von einigen von euch in Norwegen zu bekommen. Zwar bin ich kein Eingeborener, aber ich habe das Gefühl, als könnte ich euch schon jede Menge spannende Dinge zeigen. All die kleinen Details, die man bewundert und mag, aber entweder nicht in Worte fassen kann, oder vergessen hat, bis man sich mit dem Laptop auf seinen Arbeitsplatz geschlichen hat, um einen Blogeintrag zu schreiben. Bis später!

Wir lernen Norwegisch: en søknad - eine Bewerbung

Hauptsaison

Damit sich der Blog nicht immer liest wie ein Tagebuch aus einem Schützengraben um 1917, versuche ich erst die Neuigkeiten zu berichten und dann ein paar Erlebnisse zu schildern, wie ich sie erlebt habe.

Die Hochsaison auf Veiholmen hat angefangen, womit auch deutlich mehr Touristen da sind. Letztes Wochenende waren die GLA DAGA (die frohen Tage), wo es Live Musik, Wettbewerbe und allgemeines High-Life gab. In Vågarbrygga, wo ich arbeite, gab es Freitag und Samstag Live Musik und viele Gäste. Es war absolut chaotisch, jeder zweite war gut betrunken. Die Leute sind hinter den Tresen gegangen, haben mit dem Licht gespielt, sind in den Mitarbeiter Bereich gegangen, haben an uns rumgezupft und ' To øl' (zwei Bier) gerufen und einfach eine Kreditkarte hingehalten (wir nehmen nur Bestellungen am Tresen an). Die meisten waren aber trotzdem gut gelaunt und als ich durch die hüpfende, grölende Menge gegangen bin, um Gläser einzusammeln musste ich die Situation selbst belächeln. Wir sind mitten im Nichts, 10km im Ozean und trotzdem herrschte so eine Art Ballermann Atmosphäre. Die restlichen Tage war es aber ziemlich ruhig, sodass ich alles besser kennenlernen konnte und sicher bald Profi im Gastronomiegewerbe bin 🤓 Ich hatte jetzt zwei Tage mit ingesamt 21 Stunden Arbeitszeit, sodass ich quasi einen 450€ Job in nur zwei Tagen fertig hatte. Kommendes Wochenende ist das Gurispelet in dem Gurisentret, wo Johanna arbeitet. Für sie wird das stressig, für mich nicht, da ich frei habe. Eventuell kann ich aber beim Kaffee ausschenken nach dem Gurispelet (Freilufttheaterstück), damit ich das Stück kostenlos sehen kann.

Als ich gestern um 23 Uhr, nach meiner 10 Stunden Schicht, von Veiholmen zu der Inselhütte gefahren bin, war gutes Wetter, Sonnenuntergang und wenig Wind. Alles sah atemberaubend schön aus. Als ich über die 40 Meter hohe Brücke gefahren bin, konnte ich runter auf das gülden beleuchtete, smaragdfarbene, klare Meerwasser sehen, das sehr an karibische Urlaubsziele erinnerte. Nur das es 11°C hat und statt einem Sandstrand rohes abgeschliffenes Gestein hatte (sog. svaberg), welches sich erst in Torflandschaft auf Smøla und am Horizont zu gigantischen Bergen, der Fjordküste, verläuft. Während ich das alles aufnahm war es still, man konnte ein paar Möwen hören, sonst nichts. Ich fuhr durch die engen, schlängelnden Strassen, ab und zu in güldenem Sonnenuntergang, ab und zu beschatteg von den rohen Felsen, welche neben der Strasse aus dem Boden spriessen und kann kaum glauben, dass ich bezahlt werde, um da zu sein.

Vokabel des Tages: en skjærgård - Schärenlandschaft